Diese Website verwendet Cookies, um das Angebot nutzerfreundlicher und effektiver zu machen. Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen über die Verwendung von Cookies und die Möglichkeit der Verwendung von Cookies zu widersprechen, finden Sie hier.

12. - 14. November 2019 // Nürnberg

BrauBeviale Newsroom

Ökologie als heißer Verpackungstrend

Portraitfoto von Dr. Johannes Bergmair
Interview
© WPO

Die aktuelle Nachhaltigkeitsdiskussion führt immer häufiger zu kontroversen Diskussionen in der weltweiten Packaging-Branche. Dr. Johannes Bergmair, Generalsekretär der World Packaging Organization und Chef der Consultingfirma Pack Experts in Wien, erklärt die derzeitigen Turbulenzen in seiner Branche.

Herr Dr. Bergmair, Sie haben sich 2017 neben Ihrer Funktion als General Secretary der World Packaging Organziation (WPO) mit Pack Experts selbstständig gemacht und bieten jetzt vor allem Beratungsdienstleistungen zum Thema Verpackung an. Entsteht hier angesichts der wachsenden Problemfelder ein neuer Markt?

Naja, der Getränkemarkt ist immer noch derselbe, aber er hat eine neue Richtung eingeschlagen. Das Thema Ökologie ist zwar schon seit den 1960er Jahren im Zusammenhang mit wachsender Bevölkerung, bedrohter Natur und belasteter Umwelt präsent. Aber seit zwei, drei Jahren gibt es einen verstärkten Drang zu ökologischen Verpackungen. Meiner Meinung nach liegt das hauptsächlich an der starken Wirkung der medialen Bilder von Verpackungsmüll in den Ozeanen, die eine öffentliche Diskussion ausgelöst haben.

Als international agierender Experte in vielen Facetten des Packagings haben Sie einen Überblick wie nur wenige in Ihrer Branche. Welche Entwicklungen beobachten Sie derzeit speziell in der globalen Getränkeindustrie?

Es herrscht ein starkes Bedürfnis, Verpackungen ökologischer zu gestalten. Dabei ist es absolut sinnvoll zu hinterfragen, wie viel Verpackung wir überhaupt benötigen und wie Materialien optimiert oder verringert werden können. Entscheidend ist hier das Thema Recycling, also Verpackungen richtig zu sammeln, zu entsorgen und wiederzuverwenden. Allerdings sind diese Gedanken in Ländern wie den USA oder Japan eher wenig bis gar nicht ausgeprägt. Japan ist sowieso ein spezieller Verpackungsmarkt. Dort gibt es Verpackungslösungen, die sonst auf der ganzen Welt nicht funktionieren.

Digitalisierung, Optimierung und Nachhaltigkeit sind die Begriffe der Stunde. Was wird sich künftig bei Verpackungen für Bier, Wein & Co. grundsätzlich verändern?

Klar, unser gesamtes Leben und auch der Getränkemarkt sind von Digitalisierung ergriffen. Da wird sich in den Bereichen Vertrieb, Vermarktung und Produktion sicher noch einiges verändern. Beim Thema Nachhaltigkeit sind vor allem Monomateriallösungen zum Recyceln ganz massiv gefragt. Dabei darf man die Herausforderung aber nicht unterschätzen, vor allem was die Sicherheit solcher Materialien betrifft. Jeder Recycling-Prozess ist mit Unsicherheiten behaftet, weil es möglicherweise zu Kontaminationen kommen kann.

Und wie bewerten Sie persönlich die Vor- und Nachteile bei Dose, Glas- und Kunststoffbehältnissen?

Alle diese Materialien haben ihre Berechtigung sowie Vor- und Nachteile – natürlich auch im ökologischen Bereich. Aufgrund der Bilder, die derzeit durch die Medien gehen, steht vor allem der Kunststoff extrem unter Druck. Dabei tut er auch viel Gutes. Er ist leicht, sicher und schneidet auch in vielen Ökobilanzen gar nicht so schlecht ab. Außerdem braucht man – im Gegensatz zu anderen Materialien - sehr wenig Wasser und Energie, um ihn herzustellen. Die Metalldose erlebt wegen der guten Recycling-Fähigkeit gerade eine Renaissance. Sie besitzt wunderbare Schutzeigenschaften für den Inhalt. Aber auch Glas ist mit einer sehr guten Barriere-Leistung gut recycelbar. Es macht aus meiner Sicht absolut keinen Sinn, den Materialmix aufgrund der aktuellen Diskussion völlig zu verändern.

Ein Stuttgarter Getränkemarkt hat sich kürzlich komplett gegen Plastik und Dosen entschieden. Ist das der richtige Weg?

Nein, das ist eine plakative Maßnahme und schafft eine schöne Schlagzeile, aber ein ökologisch sinnvoller Weg ist das aus verpackungstechnologischer Sicht nicht.

Aus Umweltgründen werden Einwegverpackungen von vielen Unternehmen derzeit durch Mehrwegverpackungen ersetzt. Funktioniert dieser Wandel bereits wirklich und wo sehen Sie künftige Probleme innerhalb der Kreislaufwirtschaft?

Ja, die Tendenzen beobachte ich auch. In Österreich denkt vor allem die Milchwirtschaft gerade wieder über Mehrweg nach. Ich finde es gut, dass sich die Branche damit beschäftigt. Meist wird aber übersehen, dass Mehrwegverpackungen zwar häufig ökologischer sind, aber keineswegs in jedem Fall. Einweglösungen mit ordentlicher Entsorgung des Verpackungsmaterials sowie ein stoffliches Recycling oder thermischer Verwertung sind durchaus sinnvoller. Aber nur solang wir fossile Energieträger damit ersetzen.

Derzeit wird viel über Nachhaltigkeit beim Getränke-Packaging diskutiert. Wie sieht es da eigentlich aktuell bei nachhaltigen Lösungen im Bereich von Um- und Transportverpackungen aus?

Um- und Transportverpackungen stehen derzeit nicht im Fokus der öffentlichen Diskussion, deswegen herrscht in diesem Bereich auch nicht so ein enormer Druck. Aber auch im Transportsektor gibt es Optimierungslösungen bei der Reduzierung von Materialmengen und Verwendung von Monomateriallösungen. Die großen Branchen-Player nehmen das sehr ernst, aber das ist keine Geschichte von heute auf morgen.

Die WPO ist mit ihren „WorldStar Packaging Awards“ auch Partner der BrauBeviale. Gewinner dieses Wettbewerbs werden auf der kommenden Messe in einer Sonderschau gezeigt. Was können Besucher erwarten und welche Trends zeichnen sich innerhalb dieses Wettbewerbs ab?

Die Ergebnisse des Awards zeigen, was international derzeit passiert und welche Themen in welchem Land gerade aktuell sind. Hier zeichnet sich ganz klar der weltweite Ökologie-Trend ab. In den Ergebnissen lassen sich beispielweise Lösungen erkennen, die aus bis zu 80 Prozent recycelbarem Material hergestellt sind, aber auch mit besserem Handling, besserer Entleerbarkeit und besserer Schutzfunktion. Interessant ist auch zu sehen, dass sich Verwertungssysteme in Europa ganz anders gestalten als beispielsweise in Afrika oder Südostasien. Auf der BrauBeviale sehen wir uns als Meeting Point für Diskussionen über internationale Verpackungen. Wir sind selbst vor Ort und haben unter anderem auch Experten aus Ländern wie Australien, Libanon und Brasilien dabei.

top