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12. - 14. November 2019 // Nürnberg

BrauBeviale Newsroom

Wasserstreit sorgt für Umsatzeinbrüche

Interview
© Verband Deutscher Mineralbrunnen e. V.

Ist Mineralwasser besser als Leitungswasser, schadet die aktuelle Kampagne der Bundesumweltministerin den Mineralbrunnen-Betrieben und wie sieht eine mögliche Lösung des Konflikts aus? Dr. Karl Tack, Präsident des Verbands Deutscher Mineralbrunnen in Bonn, gibt im Interview mit der BrauBeviale seine Einschätzung zur aktuellen Situation der Wasserbranche.

Das Thema „Mineralwasser – Problemfall statt Genuss?“ ist eines der Hot Topics on Stage im BrauBeviale Forum am zweiten Messetag. Am Mittwoch, 13. November 2019, um 14:50 Uhr diskutieren auf der Bühne der BrauBeviale Dr. Karl Tack (Verband Deutscher Mineralbrunnen e. V.) und Dr. Franz Ehrensperger (Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e. V.) mit Vertretern einiger Mineralbrunnen sowie der Deutschen Umwelthilfe und des BUND Naturschutz in Bayern. Details finden Sie hier.

Herr Dr. Tack, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze fordert Verbraucher auf, ihren Durst besser mit Leitungs- statt mit Mineralwasser zu löschen. Leitungswasser soll das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland sein. Stimmt das wirklich?

Nein, das ist eine bewusste oder unbewusste Irreführung von Svenja Schulze. Leitungswasser wird zwar von den Wasserwerken bis zum Hausanschluss kontrolliert, aber die letzten Meter zwischen der Wasseruhr und dem Wasserhahn, d.h. die Leitungen, die Perlatoren, die Standzeiten des Wassers in den langen Leitungen werden nicht untersucht und somit ist auch das Wasser, das aus dem Hahn fließt, nicht kontrolliert. Der Hausanschluss hat nachweislich ganz deutliche Auswirkungen auf die Qualität des Wassers. Selbst das Bundesumweltministerium empfiehlt auf der Website, das Wasser, das länger als vier Stunden in der Leitung stagniert, nicht zur Zubereitung von Speisen und Getränken zu nutzen. Aus Sicht des Verbandes ist es also verantwortungslos von der Bundesumweltministerin zu sagen, dass man jederzeit im häuslichen Bereich auf Leitungswasser zurückgreifen kann. Gerade für Säuglinge und Schwangere kann das ein Risiko darstellen.

Aber wer definiert denn eigentlich, was gutes Wasser ist und welche Vor- und Nachteile haben beide Wasser-Arten?

Mineralwasser wird durch die Mineral- und Tafelwasserverordnung definiert und Trinkwasser durch die Trinkwasserverordnung. Dabei dürfen und werden festgelegte Grenzwerte nicht überschritten. Der Unterschied zwischen den Wässern ist, dass Mineralwasser zu 100 Prozent ein reines Naturprodukt mit vielen unterschiedlichen Mineralien ist und die Qualität von der Quelle bis auf den Tisch des Verbrauchers garantiert wird. Leitungswasser muss in der Regel technisch und chemisch aufbereitet werden und wird ab Hausanschluss nicht mehr kontrolliert.

Und was sind dann Bio-Mineralwässer mit Premiumzertifikat?

Grundsätzlich verfügt jedes Mineralwasser über Bio-Qualität. Aber bei den zertifizierten Sorten gehen einige Betriebe über die verordneten Qualitätsstandards hinaus und versuchen noch besser zu werden.

Verbrauchertests entdecken immer wieder Rückstände von Pestiziden oder Süßstoffen in den gängigen Mineralwassersorten. Was ist eigentlich der Grund für solche Verunreinigungen?

Natürlich kann es anthropogene Einflüsse geben, aber beim Mineralwasser werden die Grenzwerte nicht überschritten. Pestizide hingegen werden nicht akzeptiert. Nicht relevante Rückstände, die nicht gesundheitsgefährdend sind und festgelegte Grenzwerte nicht überschreiten, können akzeptiert werden. Sobald etwas Gesundheitsgefährdendes im Wasser gefunden wird, müssen Mineralbrunnen-Betriebe ihre Abfüllung sofort einstellen.

Insbesondere kleine Mineralwasserproduzenten beklagen zunehmend die von Seiten der Politik angeheizten Diskussionen. Wie schädlich ist dieser Wasserstreit für die Betriebe und welche Position bezieht dabei der Verband Deutscher Mineralbrunnen?

Die Kampagne von Svenja Schulze hat unmittelbare Auswirkungen auf die Ertragssituation der Mineralbrunnen. Es gibt Betriebe, die im ersten Halbjahr im Bereich abgefüllter PET-Flaschen bereits Umsatzeinbrüche von zehn bis 15 Prozent verzeichnen. Große Konzerne, die international aufgestellt sind, können das wegstecken, aber kleine Familienunternehmen eben nicht. Und das sind rund 98 Prozent der 220 hiesigen Mineralbrunnen-Betriebe, die sich durch die Kampagne massiv bedroht fühlen.

Wie sieht nach Ihrer Meinung ein möglicher Weg aus, diesen Streit ums Wasser beizulegen und für alle Beteiligten befriedigend zu lösen?

Wir sind bereits mit dem Bund Deutscher Elektrizitäts- und Wasserwerke im Gespräch. Unsere Vorstellung wäre es, dass wir gemeinsam alles Mögliche dafür tun, um Wasser vor Umwelteinflüssen zu schützen. Auch auf die aktuelle Diskussion über hohe Nitrat-Belastung bei Wässern müssen wir reagieren. Bei Leitungswasser sind beispielsweise Werte von bis zu 50 Milligramm zulässig, während bei Mineralwässern, die für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ausgelobt werden sollen, Werte von nur 10 Milligramm zulässig sind. Es ist also problematisch, Leitungswasser bedenkenlos Säuglingen zu geben. Unser Vorschlag ist daher, gemeinsam eine Aktion zu starten, um Gewässerschutz flächendeckend in Deutschland zu betreiben.

Pro Kopf werden hierzulande rund 150 Liter Mineralwasser im Jahr getrunken, hinzu kommen über 40 Liter Erfrischungsgetränke mit einem hohen Mineralwasseranteil. Wie bedeutend sind die Brunnen eigentlich als Wirtschaftsfaktor in Deutschland?

Mineralbrunnen sind ein sehr bedeutender Wirtschaftsfaktor mit einem hohen Stellenwert in Deutschland. Die Branche beschäftigt 12.000 Mitarbeiter. Dazu kommen dann noch die Zulieferer, Verpackungs-, Flaschen- und Etiketten-Hersteller. Zudem unterstützen die Mineralwasser-Betriebe in ihren Regionen beispielsweise durch Sponsoren-Leistungen auch ehrenamtliche Tätigkeiten.

Auf der BrauBeviale wird es zum aktuellen Wasserstreit eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde geben. Was können Messebesucher in dieser Hinsicht erwarten?

Innerhalb der Diskussion werde ich deutlich machen, dass Mineralwasser eine deutlich höhere und besser kontrollierte Qualität besitzt als Leitungswasser und dass es unfair sowie sachlich nicht gerechtfertigt ist, zwei unterschiedliche Produkte über einen Kamm zu scheren. In der Vergangenheit haben wir uns aus guten Gründen eher ruhig gehalten, um solch eine konfrontative Auseinandersetzung zu vermeiden. Unser Verband sucht den Schulterschluss mit den Wasserwerken, um gemeinsam Umwelteinflüsse zurück zu drängen, die die Qualität der Wässer negativ beeinflussen.

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