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12. - 14. November 2019 // Nürnberg

BrauBeviale Newsroom

Deutscher Whisky auf der Erfolgsspur

Mario Rudolf, St. Kilian Destillerie
Interview
© St. Kilian

Welche Position nehmen deutsche Whiskys im internationalen Spirituosen-Markt ein, was macht ein Brenner hierzulande eigentlich anders als die Schotten und wie wird sich die Branche um Single Malts in den kommenden Jahren entwickeln? Mario Rudolf, Geschäftsführer und Master Destiller bei der 2012 gegründeten St. Kilian Destillerie in Rüdenau gibt einen Ausblick.

Am Dienstag, den 12. November 2019, um 17:00 Uhr spricht Mario Rudolf im Forum BrauBeviale in der Vortragsreihe „Hidden Champions im Getränkemarkt“. Details finden Sie hier.

Herr Rudolf, lange Zeit wurde deutscher Whisky eher belächelt. Ist es für eine deutsche Brennerei nicht immer noch ein gewagtes Abenteuer, sich an Single Malts zu versuchen?

Auf jeden Fall. Leider wird deutscher Whisky immer noch zum Teil belächelt. Das Problem lag anfangs daran, dass Verbraucher die deutschen Abfüllungen lang gar nicht als Whisky anerkannt haben, weil sie nicht unbedingt an das typische schottische Geschmacksmuster erinnert haben. Auch heute noch werden hiesige Sorten mit internationalen Standards verglichen. Wir kämpfen immer noch gegen den eher schlechten Ruf deutscher Whiskys. Wenn Konsumenten aber hiesige Sorten mal probieren, dann wandelt sich meist die Einstellung.

Sie haben gerade ihre Erstabfüllung auf den Markt gebracht. Was machen Sie anders als in den klassischen Whisky-Nationen?

Die Whiskys von St. Kilian sind speziell, weil wir Einflüsse aus aller Welt verarbeiten und damit einen ganz eigenen Charakter und Geschmack erzielen. Wir haben eine traditionelle Anlage mit zwei Pot Stills und produzieren im Stil wie schottische Brenner mit zweifacher Destillation und Wiederverwendung von Vor- und Nachlauf. Das ist für Deutschland schon mal was Besonderes. Zu unserer traditionellen Ansicht kommt aber auch eine hohe Experimentierfreude. Wir spielen beispielsweise mit verschiedenen Malzmischungen, sechs unterschiedlichen Hefen und haben 166 Variationen von Fässern, die wir aktuell belegen. Tendenz steigend. Zudem arbeiten wir mit sieben verschiedenen Holzarten, während die Schotten nur Eichenholzfässer nutzen dürfen. Dazu kommen noch technische Besonderheiten, die es uns erlauben den Charakter unseres Destillates rein über die Destillation stark zu beeinflussen. Somit sind wir viel flexibler aufgestellt.

Und was ist das Besondere an Ihren Sorten?

Die erste Abfüllung, der „First Kilian“, war ein klassischer Single Malt, gereift im Ex-Bourbon-Fass. Das war aber nur eine Sammleredition mit 760 Flaschen und eigentlich nicht frei verkäuflich. Die „Signature Edition One“ war eine Vorschau auf die Möglichkeiten, die wir haben. Wir haben fünf Fassarten mit verschiedener Vorbelegung, in denen Whisky schlummert. Darunter Fässer in denen mal Rum Agricole, Bourbon oder Pedro Ximénez Sherry lag, aber auch spezielle Bourbon Quarter Casks und Kastanienfässer. Gerade diese vielen Fassarten und verschiedenen Vorbelegungen machen die Sache so spannend. So können wir eine gewisse Tiefe und Komplexität beim Blend einbringen. Durch Kastanienfässer haben wir beispielsweise eine sanfte Bittere im Whisky erzielt.

Im internationalen Nachfrage-Boom entstehen derzeit immer neue Sorten. Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Whisky-Branche in den kommenden Jahren entwickeln und welche Rolle spielen dabei die deutschen Destillate?

Whisky ist international gesehen nach wie vor ein positiver Trend, der stetig bergauf geht. Vor allem China entwickelt sich immer mehr zu einem spannenden Markt. Auch deutscher Whisky wird sicherlich in Zukunft mehr Beachtung finden, weil die Qualität stimmt. Das einzige Problem ist wohl die fehlende Menge, deswegen ist Deutschland weltweit fast noch unbedeutend und wird nicht so schnell den Stellenwert bekommen wie andere aufstrebende Whisky-Nationen, beispielsweise Tasmanien oder Israel. Unser Ziel ist es aber auch rund um den Globus Fuß zu fassen. Ich denke, wir haben die passende Größe dazu.

Wie schafft man es als deutsche Destille international Fuß zu fassen?

Das geht über Distribution. Man ist da auf fremde Hilfe angewiesen, weil verschiedene Gesetze den Vertrieb ins Ausland nicht gerade leicht machen. Interessant ist für uns erst mal Europa. In Österreich und der Schweiz sind wir bereits gut vertreten. Frankreich ist für uns ein interessanter Whisky-Markt mit einem sehr hohen pro Kopf Verbrauch und an Skandinavien sind wir auch dran.

Neben Whisky produzieren Sie bei St. Kilian auch Liköre. Wie wichtig ist ein solches Portfolio für eine moderne Brennerei?

Überlebenswichtig ist ein breites Portfolio nicht, aber es gehört dazu und macht die Marke insgesamt noch spannender. Vielfalt ist immer gut. Wichtiger ist es jedoch einen Aha-Effekt zu schaffen, und das funktioniert am besten durch Erlebnisse. Wir wollen eine Art Whisky-Disneyland aufbauen, also ein Visitor Center, wie es in Schottland heißt. Bei uns kann man schon heute Führungen machen, im Shop stöbern oder in unserer World Whisky Lounge 1.000 Sorten Whisky aus aller Welt verkosten. Ideen gibt es noch genug.

In Deutschland wird jedoch immer weniger Alkohol getrunken.

Ja, es wird vielleicht immer weniger Alkohol getrunken, aber ich bin davon überzeugt, dass gerade im Segment der Edel-Spirituosen wie Whisky noch viel Potential steckt. Die Leute genießen bewusster und gönnen sich dann eben mal eine Flasche feinen Single Malt.

St. Kilian ist nach Ihren Angaben die größte deutsche Destille. Wie kennzeichnet sich das und wo soll die Reise hingehen?

Wir haben die größten Pot Stills in Deutschlands mit 6000-Liter Fassungsvermögen. Damit produzieren wir 185.000 Liter Reinalkohol für Single Malt pro Jahr. Gerade durch die Menge ist eine Abgrenzung auch von Mitbewerbern leichter. Wir haben ausreichend Kontingent und einen guten Fundus an Fässern, um guten und verschiedenen Whisky zu kreieren. Die Zukunft von St. Kilians soll dann auch länger gereifte Sorten bieten.

Welche Chancen bietet Ihrer Meinung nach eine große ganzheitliche Getränkemesse wie etwa die BrauBeviale für Brancheneinsteiger oder etablierte Spirituosenhersteller?

Die BrauBeviale hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr gewandelt. Es stellen auch immer mehr Anbieter zum Thema Brennen aus. Aber Whisky und Bier gehen sowieso Hand in Hand, da sind sowohl Maische- als auch Läutertechnik sowie Gärprozesse interessant. Eigentlich sind alle Verfahrensschritte abgebildet und man findet Lieferanten für alles. Für mich ist es daher absolut wichtig, sich da inspirieren zu lassen.

Sie treten auf der BrauBeviale im Forum als Speaker auf. Mit welchen Themen werden Sie die Besucher begeistern?

Das Thema wird St. Kilian und die Geschichte dahinter sein. Weniger technischer Hintergrund, sondern eher wie man dazu kommt solch eine Destille zu gründen, welche Intention dahintersteckt und wie man so ein Projekt überhaupt startet, beispielsweise auch mit Hinblick auf Social Media.

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