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12. - 14. November 2019 // Nürnberg

BrauBeviale Newsroom

Punktlandung mit besonderen Bierspezialitäten

Fred Höfler, Tucher
Interview
Fred Höfler, Tucher // © Tucher

Wie kämpfen Traditionsbrauereien gegen den sinkenden Bierkonsum an, welche Rolle spielt dabei die Regionalität und wie bedeutend ist die Craft-Bierbewegung für den deutschen Biermarkt? Fred Höfler, bis vor kurzem Geschäftsführer der Tucher Bräu in Nürnberg, blickt zurück und verrät Erfolgsgeheimnisse seiner Brauerei.

Herr Höfler, als 350 Jahre alte Traditionsbrauerei gehört die Tucher Bräu heute zur Radeberger Gruppe. Der Trend in Ihrer Branche geht derzeit mehr in Richtung handwerkliche Biere, Regionalität und Authentizität. Welche Antwort wollen Sie darauf dem Verbraucher geben?

Wir sind Teil der größten Privat-Brauereigruppe Deutschlands, die mit ihrer regionalen Aufstellung dem Branchentrend entspricht. Insofern sehen wir keinen Widerspruch, ganz im Gegenteil. Wir profitieren von der nationalen Aufstellung, wo immer es Sinn macht, verantworten unsere Traditionsbrauerei und ihre Marken aber eigenverantwortlich.

Seitdem Sie im Norden Nürnbergs ein historisches Sudhaus errichteten, produziert Ihr Brau-Team nach uralten Rezepten ein „Aecht Nürnberger Kellerbier“ sowie traditionelles Nürnberger Rotbier. Sehen Sie in der Reanimation alter Bierstile künftig eine Chance für Brauereien, um gegen den bundesweit sinkenden Bierkonsum anzukämpfen?

Im Alten Sudhaus brauen wir unser Original Nürnberger Rotbier in der Starkbierausprägung sowie unser Tucher Lager Hell als Spezialitäten, die unser Sortiment abrunden und sicherlich bei Bierkennern in einem dennoch langfristig weiterhin rückläufigen Biermarkt punkten. Denn wir sind überzeugt: Es geht weniger um die Erhöhung des Gesamtbierabsatzes als um das Gewinnen von Marktanteilen zu Lasten von Mitbewerbern – und hier sehen wir uns auf einem guten Weg.

Regionalität ist nicht nur in der Bierbranche der Begriff der Stunde. Mit welcher Strategie sollten Großbrauereien diesen Trend auffangen?

Da können wir nur für uns sprechen. Aber wir sehen uns bereits gut aufgestellt mit unserer Nürnberger Marke Tucher und unserer Fürther Marke Grüner Bier, gebraut im wohl einzigen Zwei-Städte-Sudhaus der Welt direkt auf der Stadtgrenze. Dort produzieren wir Zirndorfer Land- und Kellerbier, das bei uns nach überlieferten Rezepturen und unter klösterlicher Aufsicht gebraute Scheyerner Klosterbier sowie die Augsburger Hasen-Biere, dazu einige kleinere Spezialitäten.

In Ihrer Brauerei beschäftigen Sie einen eigenen Hefemeister und hegen Ihre Mikroorganismen angeblich wie einen heiligen Gral. Sehen Sie da einen neuen Trend für moderne Bierstile in Ihrer Branche?

Die Frage, mit welchem Hefestamm die Vergärung der gewonnenen Würze eingeleitet wird, hat enorm an Bedeutung gewonnen. Da die Hefe deutlich mehr leistet, als Zucker in Alkohol umzuwandeln, setzt man ihren Einfluss auf den Geschmack, das Flavour des Bieres und die Feinheit sowie Stabilität der Trübung – insbesondere bei Weizenbieren – zielgerichteter ein. Wir züchten unsere eigene Hefe heran und haben für viele Sorten eine eigene „Hefebank“ angelegt. Dies ist ein großes Geheimnis für die jeweilige Type des Bieres. Gerade die bei Tucher praktizierte Holzfassreifung des Original Nürnberger Rotbieres verlangt vom Bier vor dessen Einlagerung eine bestimmte aromatische Ausprägung, um in der Symbiose mit dem Reifeprozess eine ideale Geschmacksvielfalt zu garantieren.

Seit dem weltweiten Erfolg der Craft-Bierbewegung wird wieder mehr über Bier gesprochen. Wie sehen Sie als etablierter Traditionsbrauer diese Szene?

Wir finden diese Entwicklung spannend, denn sie gewinnt neue Zielgruppen für das Thema „Bier“. Einzig die manchmal geführte Schwarz-Weiß-Malerei ist schade: Ein Braumeister einer größeren Brauerei hegt und pflegt seine Biere aus unserer Sicht mit nicht weniger Leidenschaft als ein Craft-Brauer. 

Und wie sollte die Industrie auf diesen Craft-Biertrend reagieren?

Wir freuen uns, wenn es ein gutes Miteinander gibt und sich die Brauer gegenseitig respektieren, unabhängig von der Größenordnung.

Wo wird die Bierbranche in fünf Jahren stehen?

Es sind so viele Unwägbarkeiten im Markt, dass eine exakte Prognose schwierig ist. Überzeugt sind wir, dass die Themen wie rückläufiger Gesamtbiermarkt, Überkapazitäten oder Aktionspreise uns ebenso weiterhin beschäftigen werden wie der Eintritt neuer Marktakteure oder der wachsende Kundenwunsch nach 360-Grad-Lösungskonzepten, die wir erfüllen werden.

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