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12. - 14. November 2019 // Nürnberg

BrauBeviale Newsroom

"Der Ausstoß von Craft-Bier wird sich schon bald verdoppeln"

Interview
© Hoppebräu

Markus Hoppe von Hoppebräu gilt als Senkrechtstarter der deutschen Craft-Bierszene. Nach seinem Einstieg als sogenannter Gypsy-Brauer, baut er jetzt im oberbayerischen Waakirchen seine eigene Brauerei. Im Interview mit der BrauBeviale verrät er, wie schwierig es ist, Kreativ-Biere in Bayern zu etablieren, welches Risiko eine neue Braustätte mit sich bringt und warum Transparenz für ihn so wichtig ist.

Herr Hoppe, Sie sind ein Craft-Brauer der ersten Stunde. Wie haben Sie es geschafft sich gerade im eher konservativen, bayerischen Marktumfeld mit kreativen Bieren durchzusetzen?

Das brauchte wirklich einen langen Atem. Aber mein Team und ich haben schon immer viel Kommunikation betrieben, Feste und Probeausschanke sowie Verkostungen organisiert, um die Leute an unser Bier zu bringen. Die Nachfrage war auch im konservativen Bayern da, weil viele Konsumenten von gängigen Standardbieren gelangweilt waren.

Und was machen Sie bei Ihren Bieren anders als Brauer herkömmlicher Sorten?

Ich spiele gern mit unterschiedlichen Rohstoffen. Die Sude unserer Wuid-Serie stopfe ich beispielsweise mit verschiedenen Aromahopfensorten. Wichtig ist dabei, dass die Biere zwar einen ganz individuellen Charakter besitzen, aber gleichzeitig auch gut trinkbar sind. Ich sehe unsere Sorten als Bindeglied zwischen traditionellen und ganz extremen Bieren.

In den vergangenen Jahren haben Sie in fremden Braustätten als sogenannter Gypsy-Brauer Ihre Biere produziert. Jetzt entsteht gerade die eigene Brauerei. Für einen Jungbrauer ist das ein enormes Investment. Scheuen Sie in einem schwierigen Marktumfeld da nicht das Risiko?

Ja, ein solcher Kostenberg macht mir schon etwas Angst. Aber wenn die Realisierung einer Brauerei so einfach wäre, dann würde es wohl jeder machen. Wir sind sehr fleißig und arbeiten wirklich viel, um unser Ziel zu erreichen. Aber ein Förderpaket von der Regierung von Oberbayern und ein Verkaufswachstum der Biere von rund 110 Prozent pro Jahr bestätigen uns in unserem Handeln.

Aber bislang lebten Sie als Entrepreneur, der sich in anderen Brauereien einmietet, doch ganz gut ohne größere Investments. Welche Vorteile bringt Ihnen überhaupt ein eigenes Sudhaus?

Bier braucht Heimat, und die schaffen wir uns jetzt mit der eigenen Brauerei in meinem Heimatort. Außerdem wollen immer mehr Kunden heute wissen, wo das Bier herkommt. Wir legen offen dar, woher wir Malz sowie den Hopfen beziehen und öffnen die Tore zur Produktion. Das schafft Transparenz, baut Vertrauen auf und sorgt für den Gewinn nachhaltiger Kunden. Wenn erst mal die neue Brauerei steht, können die Leute bei uns im Pub oder im Biergarten sitzen und während dem Biergenuss auf das Rolec-Sudhaus schauen. Dann werden wir auch künftig Braukurse, Führungen und Verkostungen anbieten.

Sie setzen neben Ihrer Wuid-Serie mit hopfigen India Pale Ale und würzigen Amber Ales jetzt verstärkt auch auf traditionelles Helles und Weißbier. Laufen Kreativbiere in Oberbayern etwa nicht so gut?

Doch klar, die laufen wirklich super. Aber in Bayern wächst der Markt der kreativen Biere einfach nicht so schnell wie in internationalen Märkten. Wir exportieren daher auch bereits nach Frankreich, Schweden, Italien, Österreich oder Kanada. Die Nachfrage für unsere Biere ist dort erstaunlich groß. Aber Helles und Weißbier sind hierzulande nun mal die besten Türöffner in die Gastronomie. Unsere Erfahrung hat gezeigt, wenn wir damit erstmal mit traditionellen Suden im Geschäft sind, können wir auch die Kreativ-Biere unserer Wuid-Serie nachschieben.

Einmal im Jahr können sich Bierfans bei Ihnen auf einen Sud freuen, der monatelang im Whiskyfass reifte. Ist die Fasslagerung moderner Biere ein Trend und wie wichtig ist in diesem Zusammenhang das Thema Produktinnovation und -vielfalt in Ihrer Branche?

Immens wichtig! Die Edelbier-Serie ist einerseits dafür da, dass wir mehr Aufmerksamkeit erreichen. Andererseits verliert man als Braumeister nicht die Lust am Job, wenn man immer das Gleiche produziert. Wenn man sich mit Holzfassreifung, damit verbundener Luftfeuchtigkeit und den Temperaturunterschieden beschäftigt, dann wird es nie langweilig. Dennoch reicht es allein nicht aus, immer mal was Neues auf den Markt zu bringen. Das Produkt muss auch immer auf höchstem Qualitätsniveau sein. Deswegen werden wir jetzt in der neuen Brauerei einen Fassreiferaum mit Lüftungssteuerung einrichten, mit der wir exakt die Luftfeuchtigkeit regulieren können. Im November wird es ein Imperial Stout geben, das in andalusischen Oloroso-Sherryfässern reift.

Aufmerksamkeit ist ein bedeutendes Gut. Wie wichtig ist für einen Nachwuchsbrauer heute eigentlich die Nutzung sozialer Medien wie Instagram, Facebook oder Twitter?

Extrem wichtig. Wir versuchen die Kanäle regelmäßig zu füttern und uns immer wieder was Neues einfallen zu lassen. Schon jetzt, beim Aufbau der Brauerei, zeigen wir unseren Followern wie es auf der Baustelle aussieht und was gerade passiert. Hoppebräu-Fans sollen daran teilhaben, wie die künftige Geburtsstätte ihres Bieres entsteht. Außerdem generiert eine permanente Social Media-Präsenz neue Kunden.

Und wie beurteilen Sie die Dynamik der hiesigen Craft-Bierszene in den kommenden Jahren?

Ich glaube, dass sich der hiesige Markt massiv ausdünnen wird. Es gibt inzwischen leider viel zu viele Blender in der Szene, die zwar tolle Marketingideen und schicke Etiketten haben, aber vom Bier eigentlich nichts verstehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich der Ausstoß von Craft-Bier schon bald verdoppeln wird, aber sich gleichzeitig die Anzahl der Hersteller um etwa die Hälfte reduziert. Nur Brauer mit qualitativ hochwertigen Bieren, die echt und authentisch sind, werden sich in Zukunft durchsetzen.

Zum Thema „Zukunftsfähigkeit der Getränkebranche“ bietet die BrauBeviale, internationale Investitionsgütermesse entlang der Prozesskette der Getränkewirtschaft  (www.braubeviale.de), vom 13.-15. November 2018 ein umfassendes und inspirierendes Rahmenprogramm. Vorab äußern sich Branchenteilnehmer wie Markus Hoppe von Hoppebräu in unserer Interview-Serie zu diesem Thema.

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