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12. - 14. November 2019 // Nürnberg

BrauBeviale Newsroom

Klimaerwärmung als Herausforderung

Interview
© www.bayern.by – Jens Schwarz

Elisabeth Stiglmaier ist Hopfenbäuerin, Biersommlière und ein der bekanntesten Hopfenbotschafterinnen in der Hallertau. Gemeinsam mit ihrer Familie betreibt sie auf ihrem Hof ein Erlebniszentrum, das einen echten Superlativ in der Region darstellt. Im Interview mit der BrauBeviale erklärt Stiglmaier, welchen Wandel das bayerische Anbaugebiet gerade durchlebt, warum Aromasorten gerodet werden und wie dramatisch die Wetterbedingungen wirklich sind.

Frau Stiglmaier, Sie haben auf Ihrem Hof ein Hopfenerlebniszentrum mit Genusstouren durch den Hopfengarten und Verkostungen in der eigenen Hopfen-ProBier-Stube entwickelt. Wie kamen Sie auf die Idee?

Unser Projekt haben wir vor etwa zehn Jahren begonnen, nachdem wir erkannt haben, dass wir mehr tun können, als nur Hopfen anzubauen. Die Reben waren zwar schon lange zuvor da, aber Ausflügler haben sich dafür nicht wirklich interessiert. Insgesamt sind wir jetzt zehn Bäuerinnen, die solche Hopfenerlebnisse in unserer Region anbieten. In den vergangenen Jahren wurden am Hof die Angebote immer weiterentwickelt und neue Erlebniswelten geschaffen. Gerade erst haben wir eine neue Hopfen-Rallye ausgearbeitet um noch mehr Besucher, vor allem Firmen, anzulocken und den Teilnehmern die Hopfengeschichte aktiv durch Aufgabenstellungen näher zu bringen.

Und was erwarten Sie sich von Ihren Aktivitäten?

Seitdem Bier wieder ein echtes Gesprächsthema ist, hat sich unser Hopfengebiet als neues Ausflugsziel entwickelt. Wir zeigen den Besuchern, welche Unterschiede es bei den verschiedenen Sorten gibt, wie sie angebaut werden und wie sie letztendlich im Bier schmecken.

Der Stiglmaier-Hof ist von Landerlebnisreisen Bayern e.V. als offizielles Erlebnisangebot zertifiziert. Wie wichtig sind solche Auszeichnungen und kommen dadurch wirklich mehr Besucher?

Diese Zertifizierung ist schon sehr wichtig für uns. Damit können wir zeigen, dass die Qualität unseres Angebotes stimmt, dass wir uns immer wieder was Neues einfallen lassen, das aber auch konzeptionell Hand und Fuß hat. Einige Hopfenbotschafterinnen lassen ihr Angebot nicht zertifizieren, weil es ihnen zu viel Arbeit macht, die Qualitätsstandards zu halten.

Die Hallertau galt lange Zeit als größtes Hopfenanbaugebiet der Welt. Jetzt hat die USA mit ihren wachsenden Flächen die bayerische Region überholt. Haben die Hopfenbauern in der Holledau auf die Entwicklung in Richtung Craft-Bier und Aromahopfen zu spät reagiert?

Ja, die USA macht inzwischen 41 Prozent und wir 36 Prozent der Weltproduktion. Aber wir in der Hallertau sind immer noch das größte zusammenhängende Anbaugebiet. Auf die veränderte Marktsituation haben wir keineswegs zu spät reagiert. Bei uns gilt immer noch, dass wir anbauen müssen, was auch tatsächlich verkauft wird. Und das ist bei uns nun mal nach wie vor der Bitterhopfen. Es ist bekannt, dass bei diesen Holledauer Sorten unsere größten Kunden in den USA sitzen.  

Dennoch ist Aromahopfen innerhalb der weltweiten Craft-Bierbewegung so beliebt wie nie zuvor. Mancherorts beginnen Hopfenbauer herkömmliche Felder zu roden, um neue Aromasorten anzupflanzen. Was bedeutet das für Ihre Region?

In der Hallertau scheint der Trend zu besonderen Aromasorten eher zurückzugehen. Bei manchen Sorten gibt es inzwischen sogar ein Überangebot. Wir roden im Herbst beispielsweise unseren Hallertauer Blanc, weil er einfach nicht mehr so gefragt ist. Auch andere Bauern stampfen ganze Gärten mit etwa Mandarina Bavaria ein, weil es inzwischen zu viel davon gibt. Special-Flavour-Hopfen sind im deutschen Biermarkt nicht so gefragt. Viel mehr vertreiben wir überwiegend klassische Aromasorten wie Perle oder Hallertauer Tradition, weil die Deutschen noch immer überwiegend Pils oder Helles trinken und der Craft-Biermarkt vor allem in Bayern bislang nur einen kleinen Anteil am Gesamtkonsum hat…

…und wer sind Ihre wichtigsten Abnehmer?

Rund 90 Prozent der Hopfenanbauflächen in der Hallertau stehen unter Vertrag. Unser Ertrag geht zu 99 Prozent an das Handelshaus Barth. Wir wissen eigentlich nur, dass ein Teil unserer Ernte zur Sapporo Brauerei nach Japan geht.

Nachhaltigkeit ist in der gesamten Bierbranche heute ein zentrales Thema. Was können Kunden und Gäste in dieser Hinsicht auf dem Stiglmaier-Hof erwarten?

Wir halten uns strikt an die Düngeschutzverordnung und setzen nur Pflanzenschutzmittel ein, die hierzulande zugelassen sind. Wir stehen für sauberen Hopfen. Außerdem verwenden wir auf unserem Hopfenerlebnishof für unsere Gäste nur umweltschonendes Material wie etwa kompostierbare Einmalbecher. Unter Nachhaltigkeit verstehen wir auch den Umgang mit unseren Saisonarbeitern, mit denen wir ein freundschaftliches Verhältnis pflegen und wo auch vernünftiger Lohn sowie freie Verpflegung dazu gehören.

Was wird sich denn in den kommenden Jahren in den deutschen Anbaugebieten verändern?

Wir haben echte Probleme mit dem Klimawandel. Wir können uns in der Region leider nicht mehr auf den Regen verlassen. Die extremen Wetterlagen mit wochenlangen Hochtemperaturen behindern den gesamten Anbau. Die Situation ist wirklich dramatisch. Klar, die Pflanze überlebt, aber bildet Blüten nicht zu Dolden aus oder schmeißt sie ab, weil sie vertrocknet sind. Das hat schon 2013, 2015 und 2017 zu 1/3 weniger Ertrag geführt, wobei die Produktionskosten trotzdem dieselben waren.

Warum bewässern Sie nicht?

Wir kommen mit der Bewässerung nicht wirklich vorwärts. Ein Hindernis sind die strengen Gesetze bei der Entnahme von Grundwasserschichten. Demnach dürfen wir nur 20 Meter in die Erde bohren, um das Wasser von dort zu nutzen. Nur zwanzig Prozent der Bauern in der Hallertau bewässern daher künstlich. Wir haben es auch mit Bohrungen probiert, aber es kam kein Wasser. Wir wissen wegen den rasanten Klimaveränderungen einfach nicht, wie es grundsätzlich im Hopfenanbau weiter geht.

…und wie ist nach den heißen Monaten Ihre Prognose für die diesjährige Ernte?

Vollends kann man das erst sagen, wenn der Hopfen wirklich im Sack ist. Aber es steht schon fest, dass die Ernte der frühen Sorten wie etwa Hallertauer Mittelfrüh nicht optimal verlaufen wird. Durch die Hitze im Juni haben die Pflanzen zu schnell angefangen zu blühen, obwohl sie noch nicht mal Gerüsthöhe erreicht hatten. Das Ergebnis sind schwache Reben mit wenig Dolden, so dass wir auf jeden Fall mit deutlich weniger Ertrag rechnen.

Zum Thema „Zukunftsfähigkeit der Getränkebranche“ bietet die BrauBeviale, internationale Investitionsgütermesse entlang der Prozesskette der Getränkewirtschaft  (www.braubeviale.de), vom 13.-15. November 2018 ein umfassendes und inspirierendes Rahmenprogramm. Vorab äußern sich Branchenteilnehmer wie Elisabeth Stiglmaier in unserer Interview-Serie zu diesem Thema.

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