Diese Website verwendet Cookies, um das Angebot nutzerfreundlicher und effektiver zu machen. Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen über die Verwendung von Cookies und die Möglichkeit der Verwendung von Cookies zu widersprechen, finden Sie hier.

12. - 14. November 2019 // Nürnberg

BrauBeviale Newsroom

Qualitätsstrategie mit Rohstoff-Fokussierung

Jan Niewodniczanski
Interview
© Bitburger

Warum sind Craft-Brauer keine Konkurrenz für große Braustätten und warum sollte eine Brauerei heute die Qualität von hochwertigen Rohstoffen stärker kommunizieren? Jan Niewodniczanski, Geschäftsführer der Bitburger Braugruppe und dort verantwortlich für die Technik, erklärt im Interview mit der BrauBeviale, welche Ziele sein Unternehmen mit Nachdruck verfolgt, um sich als Vorreiter in der Braubranche zu etablieren.

Herr Niewodniczanski, Absatz und Ausstoß stagnieren in der deutschen Brauwirtschaft seit Jahren. Dank des Hitzesommers gibt es derzeit ein leichtes Plus. Wird sich die positive Entwicklung fortsetzen?

Es gibt bedingt durch Wetter oder Fußballgroßereignisse immer wieder mal branchenweite Absatzspitzen. Die vergangenen Jahre lassen zudem auf eine Stabilisierung des Absatzes hoffen. 2017 hat jedoch gezeigt, dass wir nicht von einer grundlegenden Kehrtwende sprechen können. 

Seit Jahren herrscht unter deutschen Großbrauereien ein harter Preiskampf. Viele Braustätten übertrumpfen sich permanent mit Billig-Aktionen. Indes ziehen die Rohstoffpreise auch beim Bier kräftig an. Wie wird sich die Preis-Situation in Zukunft aus Ihrer Sicht entwickeln?

Konsumenten sind durchaus bereit, für Qualität einen angemessenen Preis zu bezahlen. Es ist daher die Aufgabe der gesamten Branche, die hohe Qualität des Naturprodukts Bier, die hochwertigen Rohstoffe sowie das umfangreiche Know-how, die große Sorgfalt und den hohen Aufwand, die im Brauprozess notwendig sind, gegenüber dem Verbraucher zu kommunizieren.

Bitburger scheint eine der wenigen Brauereien zu sein, die derzeit Werbung mit Hopfen im Bier machen. Wie reagiert der Konsument auf solche Kampagnen, der ja bislang in Bezug auf die Rohstoffe im Bier nur mit dem Reinheitsgebot konfrontiert wurde?

Die Bitburger-Kampagne arbeitet sehr erfolgreich, weil wir das Produkt Bier in den Mittelpunkt gerückt und wertig inszeniert haben. Auch die Kommunikation über den Hopfen ist Teil dieser Fokussierung.

Facebook, Instagram & Co. gelten bei neuen Biersorten als unverzichtbare Werbemotoren. Wie wichtig ist Social-Media für das Marketing eines der größten deutschen Brauhäuser?

Wir nutzen die sozialen Medien vor allem, um unsere Biere bei unseren jüngeren Konsumenten bekannt zu machen und ihnen wieder verstärkt Lust auf Bier zu machen.

Mit Ihrem Kreativbier-Ableger „Craftwerk Brewing“ waren Sie hierzulande eine der ersten Großbrauereien, die echtes Neuland betreten haben. Was war der Grund für diesen Schritt und sind Sie mit dem bisherigen Craft-Bierabsatz zufrieden?

Tatsächlich brauen wir in der Versuchsbrauerei in Bitburg ja schon über 25 Jahre internationale Bierspezialitäten. Im Jahr 2013, motiviert durch neue Aromahopfensorten und den aufkommenden Craft-Biertrend, war dann die Zeit gekommen, mit den Bieren auch auf den Markt zu gehen und sich nicht mehr nur intern daran zu erfreuen. Wir sind sehr froh, dass wir diesen Schritt getan haben, denn mit Craftwerk können wir unseren Partnern in Handel und Gastronomie eine weitere Ergänzung unseres Portfolios anbieten und unsere Bierkompetenz voll ausspielen. Zudem kommen wir darüber ins Gespräch über Bier allgemein und können für die Vielfalt und Qualität dieser Kategorie werben. Das kommt auch unseren Klassikern zu Gute.

Seit dem weltweiten Hype bei Craft-Bier sprechen die Konsumenten wieder über das Thema Bier. Dabei ist auch die Nachfrage bei traditionellen Spezialitätenbieren wieder gewachsen. Bedeutet dieser Trend künftig auch einen gravierenden Wandel in der deutschen Bierbranche?

Craft-Biere haben sich im deutschen Markt etabliert, der Trend kommt aber in Deutschland, wie uns die Marktforschung auch bestätigt, wesentlich langsamer voran als in anderen Teilen der Welt. Dies müssen wir auch mit der Marke Craftwerk feststellen. Trotzdem glauben wir, dass wir weiterhin mit Craftwerk Brewing den Trend unterstützen möchten, da er generell hilft, den Stellenwert von Bier beim Verbraucher wieder hervorzuheben. Wir sehen, dass die Verbraucher bei uns noch nicht so weit sind wie in anderen Teilen der Welt.

Craft-Bier, so heißt es, soll handwerklich hergestellt werden und bestenfalls keinem großem Konzern zugehören. Sehen Sie die kleinen Craft-Brauer eigentlich als Konkurrenz?

Nein, im Gegenteil. Die kleinen Brauer machen neugierig, sie erzeugen Gesprächsstoff, der Konsument spricht wieder über Bier und informiert sich über Rohstoffe sowie Herstellungsprozesse. Das kann der Kategorie Bier insgesamt nur guttun. Mal abgesehen davon: Laut der Größen-Definition der amerikanischen Brewers Association, in der sich die Craft-Bierbrauer zusammengeschlossen haben, gehören auch Brauereien wie Bitburger zu den Craft-Bierbrauereien. Größe ist übrigens nur ein Kriterium. Dass sechs meiner Generationen vor mir bereits in Bitburg gebraut haben und wir als über 200 Jahre altes Familienunternehmen nicht nur offensichtlich eine lange Tradition haben, sondern auch nach wie vor 100 Prozent unabhängig sind, sind übrigens auch Kriterien, die weltweite Craft-Brauer gerne für sich in Anspruch nehmen würden.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen, wie wird sich dann das Haus Bitburger in den kommenden Jahren aufstellen und was werden die wichtigsten Säulen für den Erfolg sein?

Unsere wichtigsten Säulen jetzt und in der Zukunft sind unsere qualifizierten und motivierten Mitarbeiter, unsere qualitativ hochwertigen Produkte und unsere starken Marken. Als Familienunternehmen denken wir langfristig. Das Ziel, es erfolgreich an die nächste Generation zu übergeben und die Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern stehen für uns im Vordergrund. Darüber hinaus arbeiten wir kontinuierlich daran, uns noch nachhaltiger auszurichten. Das heißt beispielsweise, dass wir moderne Konzepte für ein zeitgemäßes Arbeiten entwickeln, um ein noch attraktiverer Arbeitgeber zu werden. Wir verfolgen aber auch mit Nachdruck unser Ziel, bis Ende 2022 an allen Standorten klimaneutral zu sein. Hier wollen wir Vorreiter in der Braubranche sein.

Zum Thema „Zukunftsfähigkeit der Getränkebranche“ bietet die BrauBeviale, internationale Investitionsgütermesse entlang der Prozesskette der Getränkewirtschaft (www.braubeviale.de), vom 13.-15. November 2018 ein umfassendes und inspirierendes Rahmenprogramm. Vorab äußern sich Branchenteilnehmer wie Jan Niewodniczanski von Bitburger in unserer Interview-Serie zu diesem Thema.

top