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12. - 14. November 2019 // Nürnberg

BrauBeviale Newsroom

Social Media als Erfolgsgarant für moderne Brennereien

Interview
© Sebastian Mack

Es ist hierzulande schon etwas Besonderes, wenn Frauen erfolgreich eine Destille betreiben. Franziska Bischof startete ihre Karriere als Brennerin und Edelbrandsommelière eher per Zufall. Heute führt sie die gleichnamige Familienbrennerei im unterfränkischen Wartmannsroth und trägt seit kurzem den Titel „female distiller of the year“. Im Gespräch mit der BrauBeviale-Redaktion schildert Bischof, warum sie eigenen Whisky produziert, großen Wert auf Regionalität legt und Nachhaltigkeit höchsten Stellenwert genießt.

Frau Bischof, Schnapsbrennen gilt nicht gerade als eine weibliche Domäne. Was hat Sie eigentlich dazu bewogen, diesen Beruf zu ergreifen?

Na ja, eigentlich standen auch in früherer Zeit schon Frauen am Brennkessel. Trotzdem gilt es heute immer noch als Ausnahmeerscheinung. Ich bin auch eher durch Zufall dazu gekommen. In Italien habe ich Sprachwissenschaft, Tourismusmanagement und Marketing studiert und im Exportmanagement der Automobilzulieferindustrie gearbeitet. Dabei habe ich gutes Essen und Trinken kennen gelernt und erst mit Mitte 20 verstanden, was meine Eltern zuhause eigentlich in der Brennerei machen.

Dann kamen Sie zurück und führen nunmehr seit drei Jahren, in vierter Generation, die Edelbrennerei Bischof – als erste Frau in der Familie. Was hat sich seitdem im Unternehmen getan?

Meine Eltern haben tolle Vorarbeit geleistet. Ich brenne heute noch auf den gleichen Apparaturen wie vor 20 Jahren. Dennoch haben wir investiert, den Vertrieb weiter entwickelt, das Marketing verändert und das Sortiment neu aufgestellt. Mit unserer „Destillathek“ haben wir eine moderne Eventlocation hingestellt, um auch bei Tastings den Leuten unsere Produkte und Philosophie erlebbar zu gestalten.

Gibt es durch Ihr Engagement jetzt auch einen weiblichen Touch in Ihrer Brennerei?

Der weibliche Touch ist wohl nur eine äußerliche Wahrnehmung. Ich würde unsere heutige Situation  eher als Generationenumbruch beschreiben. Meine Arbeit ist weder schlechter, noch besser als die von einem Mann. Ok, ein Unterschied ist vielleicht, dass es bei den Verkostungen keine dreckigen Witze mehr gibt, wie sie mein Vater einst rausließ.

Sie haben mit „Die Brennerin“ eine echte Ich-Marke geschaffen und gerade erst die Auszeichnung „female distiller of the year“ erhalten. Wie wichtig sind solche Ehrungen für das Eigenmarketing?

So eine Auszeichnung ist für uns ein echter Gewinn. Ich persönlich sehe dies als Bestätigung, dass ich gute Arbeit mache, die auch von außen wahrgenommen wird. Außerdem dient so ein Award als gute Werbung, weil so auch die Presse auf uns aufmerksam wird und dadurch indirekt den Verkauf fördert.

Mit Ihrer Destille sind Sie vor allem in den sozialen Medien stark vertreten. Was bedeuten heute Social Media-Kanäle wie Instagram, Facebook & Co. für moderne Brennereien?

Für unsere Arbeit ist es heute ein Muss in sozialen Medien vertreten zu sein. Ich nutze Instagram & Co. als Chance, den Leuten unsere Philosophie und Einstellung zu zeigen. Über eigene Bildwelten  führe ich Interessenten virtuell durch die Brennerei und schaffe somit auch Transparenz für unsere Produkte. Dabei achte ich stark auf Authentizität und Abwechslung. 

Ihr erstes marktreifes Produkt war fränkischer Whisky. Ist es für eine deutsche Brennerin nicht ein gewagtes Abenteuer, sich an einem so imageträchtigen Destillat zu versuchen?

Nein, das empfinde ich keineswegs als gewagt. Mein Vater hat in der 90gern schon mit dem ersten Rhöner Whisky angefangen. Die Intention war dabei nie, einen schottischen Whisky zu kopieren, sondern schon immer das Streben nach einem Produkt mit eigener Identität. So besteht unsere Version aus Weizen, der aus eigenem Anbau stammt. Außerdem lagert der Whisky in neuen Eichen- und Kastanienfässern aus Hölzern der Region.  

Die Deutschen trinken immer weniger Alkohol. Sie produzieren in Ihrer Brennerei neben Whisky auch Gin, Weinbrände, Obstbrände und Liköre. Welche Spirituose sehen Sie als Trendsetter?

Gin steht noch immer ganz hoch im Kurs. So langsam sind aber auch Obstbrände wieder im Kommen. Das finde ich gut, weil es in diesem Segment einen großen Spielraum mit vielen unterschiedlichen Früchten gibt…

…und was halten Sie von den sogenannten „Craft-Spirits“?

Das ist ein totaler Trend, gleichzeitig auch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist es super, dass in den Großstädten inzwischen immer mehr Craft-Spirits-Messen stattfinden und somit eine neue Plattform für handwerkliche Brenner geboten ist. So können Produkte neu präsentiert und in den Fokus gerückt werden. Andererseits treten viele vermeintliche Produzenten auf, die das Handwerk nicht wirklich verstehen. Da läuft dann bedauerlicherweise viel über Marketing und nicht über Qualität.

Auch Nachhaltigkeit ist in der Spirituosen-Branche ein großes Thema. Was können Kunden in Ihrer Brennerei in diesem Bereich erwarten?

Als kleiner, handwerklicher Betrieb spielt Nachhaltigkeit bei uns schon immer eine besondere Rolle. Wir arbeiten mit Früchten von eigenen Streuobstwiesen und bemühen uns, diese auch langfristig zu erhalten. Wenn wir Rohstoffe dazu kaufen, dann kommen diese ausschließlich aus der Region. Insofern ist für uns Regionalität und Saisonalität viel wichtiger als Bio. So weiß ich immer, von wem das Obst kommt und wie es angebaut wird. Damit lässt sich sehr gut nachvollziehen, ob die Qualität tatsächlich stimmt.

Zum Thema „Zukunftsfähigkeit der Getränkebranche“ bietet die BrauBeviale, internationale Investitionsgütermesse entlang der Prozesskette der Getränkewirtschaft  (www.braubeviale.de), vom 13.-15. November 2018 ein umfassendes und inspirierendes Rahmenprogramm. Vorab äußern sich Branchenteilnehmer wie „Die Brennerin“ Franziska Bischof in unserer Interview-Serie zu diesem Thema.

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